Freude! Freude!
Jul 19th, 2010 | By admin | Category: Nachrichten
"Seid umschlungen, Millionen!" Beethovens IX. Symphonie ergriff die Zuhörer an der Havellandhalle in Seeburg. Foto: Berlin-foto-event.de
Jungs spielen in der Ferne Fußball, die Mädchen sind, nachdem sie auf dem knisternden, trockenen Grasplatz vor der Havellandhalle geckernd herum rannten, nun in der Kinderecke verschwunden.
O Freunde, nicht diese Töne!
Sondern laßt uns angenehmere
anstimmen und freudenvollere.
Freude! Freude!
Nein, nichts gegen Kinder. Aber jetzt sind die Erwachsenen fast unter sich. Rotwein schwappt dunkel in Gläsern, auf Wolldecken gestellt.
Freude, schöner Götterfunken
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum!
Die jüngeren Paare liegen sich in den Armen, schmiegen sich aneinander, der Kopf im Schoß oder auf der Schulter, die Hände irgendwo auf dem Körper des Anderen. Die älteren sitzen eng beisammen, still, blicken versonnen in den noch hellblauen Abendhimmel.
Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein;
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ein Flugzeug übertönt kurz im Anflug auf Tegel das aus rund 400 Studenten bestehende Orchester der Humboldt Philharmonie unter Leitung von Prof. Constantin Alex. Über den Musikern und Sängern liegt neben der Klang- auch eine Duftwolke aus geschätzt 800 Parfums und verbreitet eine kostbare, innerliche, festliche Atmosphäre.
Ja, wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
Die Musik ist trotz der wohl 200 Musiker schon nach wenigen Metern nur noch gut vernehmbar. Aber dann treten die im vierten Satz von Ludwig van Beethovens IX. Symphonie die Sänger auf. Ihre Stimmen sind klar und deutlich, obwohl sie vielleicht 40 Meter entfernt stehen. Jedes Wort, sei es auch noch so pathetisch und für viele Zwecke schon vernutzt, ergreift.
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder, überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahnest du den Schöpfer, Welt?
Such’ ihn überm Sternenzelt!
Über Sternen muß er wohnen.
Nun tritt auch der wohl 200-köpfige Chor wieder auf. Lange hat er gewartet, sich vor der Abendsonne mit Sonnenbrillen versucht zu schützen, die Noten als Schirm vor die Augen gehalten, die ganzen drei Sätze hindurch. Jeder Takt der 9. Symphonie ist wohl bekannt, für den vierten Satz gilt das wohl ganz besonders. Aber dennoch – vor den vielleicht 1500 Zuschauern schafft es die Musik und der Gesang wieder, die Zuhörer, das Orchester und den Chor zu begeistern. Am Ende stehen die Zuhörer mindestens fünf, vielleicht sind es auch zehn Minuten auf, um den Musikern und Sängern mit ihrem Beifall zu danken.
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder, überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.
Seid umschlungen,
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Freude, schöner Götterfunken
Tochter aus Elysium,
Freude, schöner Götterfunken, Götterfunken.
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