Geschichte des Offiziercasinos
Das Offizierscasino wurde 1895 im Zuge der Anlage des Truppenstandortes Döberitz errichtet und diente Offizieren und höheren Beamten als Speise- und Erholungsstätte. Bis 1905 wurde das Gebäude durch mehrere und zum Teil unterkellerte Anbauten, Schank-, Speise-, Küchen- und Lagerräume ergänzt. Die Nutzfläche beträgt rund 2.100 qm.
Das Gebäude entstand in Fachwerkbauweise. Auf Wunsch Kaiser Wilhelms II., der Holzbauten auf einer Norwegenreise bewundert hatte, wurde der Bau mit einer äußeren Holzverschalung (Harzer Schalung) versehen und erhielt dadurch seinen eigenen Reiz. Die Dachkonstruktion besteht aus einem flachgeneigten Satteldach und Pultdächern mit Bitumenpappdeckung.
In der Mitte des Gebäudes befindet sich der repräsentative, etwa 30 mal 13 Meter große Speise- und Festsaal mit seiner neun Meter hohen Decke. Im Jahr 1906 schickte Kaiser Wilhelm II. einen großen Kronleuchter, den er von den Oberförstern seiner Reviere zur Silberhochzeit erhalten hatte, in den großen Speisesaal.
Nach Norden öffnet sich der Saal zu einer dekorativ verzierten offenen Veranda, eine Freitreppe führt in den Casinopark. In den Kellerräumen unterhalb der Veranda befand sich eine Weinstube. Im Osten zum Steilhang des Schwanengrabens fügte sich eine geschlossene Veranda an.
Die Flächen- und Gebäudenutzung wechselte unter den verschiedenen militärischen Nutzern. Als Offizier-Speiseanstalt wurde das Casino zuletzt von den sowjetischen Streitkräften bis etwa 1970 genutzt. Aus dieser Zeit sind im großen Speisesaal bis heute zwei Wandmalereien in herausragender künstlerischer Qualität erhalten. Es handelt sich um die Wandgemälde „Jäger bei der Rast”, Kopie nach Vasyly Grigorjewitsch Prerow [1871] und „Morgen im Kiefernwald”, Kopie nach Iwan Iwanowitsch Schischkin [1889] von einem unbekannten Künstler.
Etwa ab 1970 wurden Räume des Kasinos zur Verkaufseinrichtung der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland („Magazin“, „Russenmagazin“) und des „HO-Spezialhandel“ bis 1991 genutzt, in dem auch die deutsche Bevölkerung einkaufen durfte.
Das Casino befand sich zu dieser Zeit außerhalb der sowjetischen Kaserne, die Umzäunung verlief südlich direkt hinter dem Casino. Als ehemalige militärische Liegenschaft war das Casino seit 1992 im Besitz des Bundesvermögensamtes. Seitdem ist es unbenutzt.
Die Architektur wurde 1992 als erhaltenwert eingeschätzt. 1993 fand eine Beräumung und einstweilige Sicherung statt. Für einen symbolischen Kaufpreis wurde das Casino 1996 an die Gemeinde Dallgow-Döberitz übertragen. Zeitgleich wurde das Gebäude unter Denkmalschutz (25.07.1996) gestellt, blieb jedoch ungenutzt.
Mit dem Leerstand begann der zunehmende Verfall. Seit 1993 hat sich der Bauzustand durch Beschädigung, Vandalismus, Graffiti, Witterungseinflüsse und zerstörte Fenster drastisch verschlechtert. Das Dach ist an mehreren Stellen undicht, Fußböden sind eingebrochen, das Parkett im großen Saal ist aufgequollen und die Fenster sind zum großen Teil zerstört. Das Gebäude ist vom Einsturz bedroht.
Das frühere Umfeld des Casinos
Nordwestlich vom Casino stand früher ein großer halbrunder Musikpavillon (Musikmuschel) in hölzerner Bauweise. Hier wurden Konzerte abgehalten. Im nördlichen Teil befand sich zur Jahrhundertwende ein Lawn-Tennisplatz und ein Teehaus (um 1982 abgerissen). Zur ursprünglichen Erholungsanlage am Casino gehörte oberhalb des Schwanengrabens angrenzend ein Aussichtsplatz mit Pavillon, darunter befand sich der Zugang zu einem Eiskeller. Unterhalb am Ufer des Schwanengrabens stand eine Kegelhalle, die später zu einem Kino und Schießstand ausgebaut wurde.
Informationen über den Stand der Sanierungsbemühungen von GuK- Da finden Sie hier.


